Architektur

Die historische Fabrikanlage der Patent-Papierfabrik Hohenofen bei Neustadt Dosse besteht aus an der Straße gelegenen, zweigeschossigen miteinander verbundenen Fabrikhallen, die im Laufe der Zeit durch eingeschossige Zwischengebäude ergänzt wurden, sodass sich beim ersten Blick eine undurchdringliche Gebäudestruktur darbietet. Die Fabrikhallen mit ihren filigranen freitragenden Stahlkonstruktionen und die Maschinen für die Papierproduktion zeugen von der industriellen Entwicklung und der hohen Ingenieurskunst des 19. und 20. Jahrhunderts und lassen Architekten, Fotografen und Besucher stauen. Anhand sichtbarer Eingriffe, Montagen und Reparaturen an der Gebäudesubstanz kann man verschiedene Transformationen des Objektes von 1938 bis 1990 nachvollziehen. Diese Spuren durch die Menschen sind als immaterielles Kulturerbe wichtig für weitere Forschungen am Standort und zeigen die Lebens- und Arbeitsrealitäten auf. Die Transformation des Industriezweiges ist nachvollziehbar und vermittelbar.

National Bedeutend

Seit 2019 ist die Papierfabrik im Denkmalprogramm ‚zum Erhalt und Wiederaufbau von Kulturdenkmälern mit besonderer nationaler Bedeutung’ aufgenommen. d.h. das Land Brandenburg und der Bund stellen Zuwendungen für die Erhaltung der Gebäude und der Maschinen verteilt auf 5 Jahre zur Verfügung. Nun können die Gebäude und die Maschinen restauriert, langfristig erhalten und das Ensemble zum Museum ausgeplant werden. Grundlage für alle Nutzungskonzepte ist die Substanzerhaltung und die Restaurierung der Gebäude und der Papierproduktionsanlagen. Dafür wurde 2018 ein Förderantrag im Rahmen des Denkmalpflegeprogramms der Bundesregierung sowie ein Antrag auf Bewilligung einer Zuwendung für Maßnahmen der Denkmalpflege des Landes Brandenburg gestellt. Im August und September 2018 wurden vom Architekturbüro MMST die Schäden aufgenommen. Die Kosten sind nach der DIN 276 ermittelt, nach Kostengruppen der DIN 276 zusammengestellt und auf 5 Jahre verteilt

Sanierungskonzept

Das Gebäude soll gesichert werden, d.h. die Dächer sollen dauerhaft instandgesetzt, die Fenster restauriert und wo nötig neu verglast werden; die Decken und Wände in dem jetzigen Zustand fixieren, sodass kein Putz oder Farbreste mehr auf die Maschinen fällt oder Stahlträger nicht weiter rosten. Die Zeichen der Zeit sollen ablesbar bleiben. Auch die Zeit der Verwahrlosung nach der Stilllegung der Produktion soll man sehen. Für die Restaurierung der Wände und Decken wurde eine Firma gefunden, die sich auf diese Art der Restaurierung spezialisiert hat. Sie haben Probeflächen angelegt, wonach zusammen mit der Denkmalpflege entschieden wurde, welches Verfahren angewendet werden soll. Mit der Restaurierung des ersten Teils wird im Oktober begonnen. Auch für die Restaurierung der Fenster wurde eine Firma gefunden, die bereits im Bauhaus in Dessau die Fenster restauriert und in Teilen nachgebaut hat. Der größte Teil der Fenster ist aus Gusseisen einige neuere Fenster haben Stahlprofile. Ein restauriertes gusseisernes Musterfenster steht zur Begutachtung bereit. Es wurde entschieden für alle neuen Verglasung altes Glas zu verwenden, denn neues Floatglas hat andere Reflexionen und Spiegelungen, was den Gesamteindruck der Gebäude verändern würde.

gusseisernes Bestandsfenster

Restauriertes gusseisernes Fenster

Restauriertes gusseisernes Fenster

Sanierungskonzept in 5 Phasen

Angefangen wurde mit dem Innenhof, der als feuchte Gruft zwischen drei Gebäudeteile liegt. Hier läuft das Wasser von drei großen Dachflächen zusammen. Durch den Abriss einer später gebauten Garage und durch Herausnahme des Betonfußbodens wurde der Innenhof geöffnet und belüftet. Für die Regenwasserableitung werden die ursprünglichen offenen Rinnen wiederhergestellt. Später soll das Regenwasser in einer oder zwei Zisternen gesammelt werden. Außerdem werden zwei Dächer komplett und denkmalgerecht saniert. Im nächsten Halbjahr 2021 wird das Dach über der Maschinenhalle neu gedeckt und die Innenverkleidung des Daches im Packsaal (s.o) entfernt und die Dachreiter saniert.

Die Innenverkleidung des Daches ist schon so zerstört, das Teile herunterfallen. Deshalb ist der wunderschöne Raum für Besucher leider gesperrt. In der zweiten Hälfte 2021 beginnt die Sanierung des Gebäudes 9. Das Notdach, dass 2004 nach einem Brand gebaut wurde und extrem undicht ist, muss durch eine Dachkonstruktion, die dem historischen Dach entspricht, ersetzt werden. In diesem Zuge wird der gesamte Gebäudeteil saniert. Auch die Coronahilfen für Sofortmaßnahmen können helfen, die hier befindlichen Toilettenanlagen nach den neuesten Hygienestandards zu modernisieren.

Ökologisches Konzept

Neben der reinen Restaurierung wird ein langfristiges ökologisches Konzept angestrebt. Angefangen von der Regenwasserableitung und Sammlung in einer Zisterne über Gründächer und ein alternatives Heizungssystem mit regenerativen Anlagen für einzelne Räume. Das erste Gründach ist mit der Denkmalpflege abgestimmt und ist im Bau. Im Gebäude 9 sollen einzelne Gebäudeteile mit Heizungen ausgestattet werden. Fotovoltaik soll auf einzelne Dächer.

Brandschutz

Maßnahmen um das Gebäude langfristig für Besucher zugänglich zu halten, müssen einige technisch und bauliche Maßnahmen erfolgen. Es ist eine Brandmeldeanlage und eine Notstromversorgung im Brandfall notwendig. Diese wird noch in diesem Jahr eingebaut. Zwei Treppenanlagen sind geplant und denkmalrechtlich abgestimmt. Eine am Gebäude 9 außenliegende Stahltreppe mit einem behindertengerechten Aufzug und eine Treppe im Trafohaus zur Straße. Das straßenseitige später angebaute Trafohaus wird nicht mehr für den musealen Rundgang gebraucht und kann zum Treppenhaus umgebaut werden, sodass die Treppenanlage von außen nicht sichtbar ist. Dann können langfristig alle Räume im Obergeschoss für Besucher, Seminare und Veranstaltungen oder einfach nur zum Verweilen oder Arbeiten geöffnet werden.

Papiersaal / Gebäudeteil 3

Holländersaal / Gebäudeteil 8 und 9

Bleiche / Gebäudeteil 10